Besonderheiten bei Geburtsschäden

Die besondere Schwierigkeit bei Geburtsschäden liegt vor allem in der Überprüfung möglicher Behandlungsfehler.

Diese können sich bereits im Zuge der gynäkologischen Betreuung noch während der Schwangerschaft, aber auch später im Verlaufe des Geburtsvorganges, ereignet haben. 

 

Aber auch die Bezifferung möglicher Schadensersatz- und Schmerzensgeldansprüche des Kindes und dessen Eltern erfordern ein hohes Maß an juristischer Sorgfältigkeit.

 

Folgender Fall ist lediglich beispielhaft:

Sachverhalt:

Nachdem es zu Verzögerungen bei der Geburt des Kindes kam, setzte der behandelnde Arzt um 01.52 Uhr morgens eine Saugglocke an. Diese riss jedoch um 01.58 Uhr ab. Der Arzt unternahm sofort einen weiteren Versuch mit der Saugglocke, der jedoch ebenfalls erfolglos blieb.

Nachdem der Arzt zunächst den Einsatz einer Geburtszange erwog, entschied er sich schließlich um 02.12 Uhr zu einem Notkaiserschnitt. Dabei stellte sich heraus, dass sich die Nabelschnur um den Hals des Kindes gewickelte hatte und es zu einer enormen Sauerstoffunterversorgung während des Geburtsvorganges kam. Das Kind trug aufgrund dessen schwere Hirnschäden davon. Zum Zeitpunkt der Klage war dem Jungen weder ein freies Sitzen oder Stehen, noch ein Fortbewegen oder Greifen möglich. Das Kind litt unter einem schweren Entwicklungsrückstand und fehlendem Sprechvermögen. Es blieb dauerhaft pflegebedürftig. Sowohl das Kind, als auch die Mutter verklagten den Arzt auf Zahlung von Schmerzensgeld.

 

Entscheidung des Gerichts

Das Oberlandesgericht Koblenz entschied zugunsten der beiden Kläger. Ihnen habe ein Anspruch auf Schmerzensgeld zugestanden, da dem Arzt ein grober Behandlungsfehler vorzuwerfen gewesen sei. Der Arzt hätte nach Ausführungen mehrerer Sachverständiger spätestens nach dem Abreißen der Saugglocke um 01.58 Uhr zur Geburtsbeendigung eine sofortige Notsectio (schnellstmögliche Geburt in unter 10 Minuten) durchführen müssen. Stattdessen habe er einen zweiten Versuch der Vakuumextraktion sowie einen Versuch mit der Geburtszange unternommen. Dies sei insbesondere deshalb fehlerhaft gewesen, da die Lage des Kindes unklar und das CTG hochpathologisch war.

Dem Kind habe aufgrund der Folgen des groben Behandlungsfehlers ein Schmerzensgeld in Höhe von 350.000,- € zugestanden. Zudem sei der Mutter ein Schmerzensgeld von 500 € zuzuerkennen gewesen, da sie durch die verzögerte Schnittentbindung, sowie das mehrfache, unnütze Ansetzen der Saugglocke zusätzliche physische Schmerzen und psychische Sorgen um sich und ihr Kind habe erdulden müssen.